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Aktuelles / Presse

Presseinformation

Sexualstraftäter in Online-Spielen und warum die Betroffenen schweigen

Frankfurt am Main, 11. Juli 2012. Auf Kinder und Jugendliche üben Online-Spiele
eine starke Anziehungskraft aus. Zusammen mit ihren virtuellen Mitstreitern tauchen sie in geheimnisumwitterte Welten ein, finden dort Herausforderungen und Bestätigung, lösen in Gruppen gemeinsam Aufgaben und Rätsel und bestehen virtuelle Abenteuer, die ein einzelner Spieler nicht bewältigen könnte. Gerade das Zusammenspiel in der Gruppe macht den Reiz von Onlinespielen aus. Das Gruppenfeeling lässt Kontakte und scheinbare Vertrauensverhältnisse entstehen, die aber auch leicht missbraucht werden können. So hat beispielsweise ein 54-jähriger Mann aus Massachusetts, USA, im Onlinegame RuneScape eine Dreizehnjährige virtuell geheiratet.
Als sich das romantische Hochzeitspaar aus dem Cyberspace anschließend in
der realen Welt traf, hat der Mann das Mädchen vergewaltigt. Dieser und ähnliche Vorfälle haben dazu geführt, dass das Thema sexuelle Übergriffe in Online-Spielen aktuell in den USA diskutiert wird und erste Gegenmaßnahmen ergriffen wurden. So wurden im Frühjahr 2012 in einer gemeinsamen Aktion von NYPD und Kooperationspartnern (Microsoft, Apple, Blizzard Entertainment, Electronic Arts, Disney, Warner Brothers und Sony) 3500 bekannte Sexualstraftäter aus virtuellen Plattformen verbannt.
In Deutschland ist eine ähnliche Diskussion dringend notwendig. Beim Norton Online Family Report des PC-Sicherheits-Anbieters Symantec von 2010 gaben 10 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen an, dass eine fremde Person online versucht habe, sie zu einem realen Treffen zu überreden. Aber während diese und ähnliche Übergriffe in Chatrooms schon seit Jahren thematisiert werden und den Jugendlichen, Eltern und PädagogInnen Handlungsoptionen an die Hand gegeben werden (zum Beispiel durch das medienpädagogische Angebot SexnSurf der pro familia Hessen), ist dies im Bereich der Online-Spiele nicht in gleichem Maße der Fall. Anstelle einer vorurteilsfreien Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen der unterschiedlichen Spiele, steht eine verallgemeinernde Panikmache, die nicht zuletzt von der Boulevardpresse geschürt wird. So ist die öffentliche Meinung weitgehend von der Ansicht geprägt, dass die Gewalt in Computerspielen Gewaltbereitschaft in
der realen Welt schaffe – eine Meinung, die in der Wissenschaft sogar von ehemaligen Verfechtern dieser Ansicht inzwischen relativiert wurde
(http://www.spiegel.de/netzwelt/games/mediennutzung-man-wird-nicht-amoklaeuferweil-man-ein-brutales-computerspiel-gespielt-hat-a-739509-5.html). Auch die Anzahl der Spielsüchtigen ist tatsächlich deutlich geringer als häufig angenommen.
Die Sicht vieler Erwachsener, die Online-Spiele als Generator von Gewalt und
Suchtverhalten sehen, hat zur Folge, dass Kinder und Jugendliche häufig nicht mit ihren Bezugspersonen über ihre negativen Erfahrungen in der Welt der Online-Spiele sprechen können. Sie befürchten, dass ihnen ihr Hobby verboten wird oder dass sie, statt Hilfe im konkreten Einzelfall zu erfahren, von Eltern und LehrerInnen in eine allgemeine Diskussion über Wert oder Unwert von Online-Spielen verwickelt werden.
Denn den Jugendlichen ist die weitverbreitete Missbilligung dieser Spiele in der Welt der Erwachsenen durchaus bekannt. Laut der Jim-Studie des MPFS (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest) von 2011 beschäftigt sich jeder sechste Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren regelmäßig online mit Multi-User-Spielen – es handelt sich hier also nicht um die Probleme einer Randgruppe.
Das mangelnde Verständnis der Erwachsenen, das eine mangelnde Medienkompetenz offenbart – viele Eltern und PädagogInnen kennen die Welt der Spiele einfach nicht und urteilen undifferenziert – führt zu einer Tabuisierung des Themas, die es den Jugendlichen erschwert bis unmöglich macht, von Kontakten auf Spiele-Plattformen wie World of Warcraft zu berichten, die sie als unangenehm empfinden oder die sie verunsichern. Hinzu kommt, dass Erwachsene, die Kinder und Jugendliche sexuell anziehend finden, diese Nöte häufig sehr genau kennen und sie als Teil der Dynamik von Verschwörung und Geheimnis für ihre Zwecke ausnutzen. pro familia Hessen setzt sich aus den dargelegten Gründen für eine wertschätzende Auseinandersetzung mit den medialen Welten ein, die Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen sind. Denn nur auf einer Basis der Akzeptanz und des Vertrauens werden Kinder und Jugendliche in die Lage versetzt, sich Hilfe zu holen, wenn sie diese benötigen.
Mit dem medienpädagogischen Angebot SEXnSURF hat sich pro familia zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche bei der Nutzung neuer Kommunikationsformen und in ihrem medialen Freizeitverhalten fachlich zu begleiten. Darüber hinaus unterstützt pro familia Eltern und pädagogische Fachkräfte, eine eigene differenzierte Haltung gegenüber den neuen Medien zu entwickeln und ihre Handlungskompetenzen in der Begleitung von Kindern und Jugendlichen zu erweitern. Ziel ist es, junge Menschen darin zu unterstützen, neue Medien entsprechend ihrer Bedürfnisse effizient zu nutzen, ein verantwortungsbewusstes Verhalten zu entwickeln und ihre Kompetenzen zu stärken.
Kontakt und Rückfragen:
pro familia Landesverband Hessen, Brigitte Ott
Tel.: 069 / 44 70 61, E-Mail: lv.hessen(at)profamilia.de
pro familia Darmstadt, Oliver Wilhelm,
Tel.: 06151/429420, E-Mail: oliver.wilhelm(at)profamilia.de

Über pro familia Hessen
Das Thema Lebensqualität gehört zu den zentralen Gestaltungsaufgaben der pro familia, die in Hessen seit über 40 Jahren aktiv ist. In einem Sozialwesen, das zunehmend auf Prävention und Eigenverantwortung setzt, wird die Information und Orientierung für den Einzelnen immer dringlicher. Dies betrifft Frauen und Männer gleichermaßen und stellt sie vor neue Herausforderungen – gerade in den Bereichen Lebens- und Familienplanung. In Hessen ist pro familia mit 28 Beratungsstellen vertreten, in denen sich rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Berufsgruppen engagieren. Als unabhängige und nicht-staatliche Institution bietet pro familia Beratung und Information rund um die Themen Sexualität, sexuelle Gesundheit und Beziehungen in Partnerschaft und Familie – für Frauen, Männer und Jugendliche.
Weitere Informationen unter: www.profamilia.de/hessen.


Datum: 11.07.1214:55 Uhr Alter: 7 yrs



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