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Die pädagogische Einbettung

Vorraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des Präventionsprojektes an einer Grundschule ist die engagierte Teilnahme der Schulleitung und der Lehrkräfte. An dem Projekttag werden die Mädchen und Jungen über ihre Rechte auf einen respektvollen Umgang und auf Schutz vor (sexueller) Gewalt aufgeklärt und darin bestärkt, sich dafür einzusetzen. Aber um diese Rechte im Alltag auch tatsächlich durchsetzen zu können, brauchen die Kinder die aufmerksame Unterstützung ihrer Lehrkräfte und Eltern. Deshalb bietet eine Referentin von pro familia im Rahmen des Präventionsprojektes Weiterbildungsveranstaltungen für die Lehrkräfte und Eltern an, auf denen für die Thematik sensibilisiert und vermittelt wird, wie sie im Erziehungsalltag dazu beitragen können, Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen.

Auch wenn der Schwerpunkt des Projektes auf der Prävention liegt, zeigt die Erfahrung, dass sowohl Lehrkräfte und Eltern als auch die beteiligten Kinder das Angebot wahrnehmen, belastende Erfahrungen ansprechen und sich Unterstützung holen können. Dabei handelt es sich bei den angesprochenen Problemen nicht nur um Fälle von sexuellen Übergriffen oder um den Verdacht auf sexuellen Missbrauch, sondern es geht auch um andere Formen von Gewalterfahrungen, bei denen Kinder Hilfe benötigen, wie z.B. Misshandlung oder Mobbing. In allen Kinderschutzfällen ist es unser Ziel, dafür Sorge zu tragen, dass die betroffenen Kinder Hilfe erhalten.

Das Präventionsprojekt wird in der Regel in Kooperation mit regionalen Beratungsstellen durchgeführt. Diese Kooperation hat sich nicht nur hinsichtlich der Weiterbearbeitung von Kinderschutzfällen bewährt, sondern dient darüber hinaus auch der Vernetzung vor Ort zum Thema sexuelle Gewalt.

Der Projekttag

Der Projekttag

An dem Projekttag für die Kinder, der in Form eines Mitmachparcours gestaltet ist, können 60 - 75 Kinder aus 3. und 4. Klassen teilnehmen. Die Kinder sind in 5 Mädchen- bzw. Jungengruppen aufgeteilt, um auf die spezifischen Bedürfnisse und Fragestellungen von Mädchen und Jungen eingehen zu können.

Begleitet durch ihre Lehrkräfte oder ErzieherInnen besuchen alle Gruppen die 5 Stationen des Mitmach-Parcours. In den 5 Stationen werden die verschiedenen Aspekte, die im Zusammenhang mit Prävention von Bedeutung sind, thematisch für die Kinder aufbereitet. Insbesondere wird den Kinder vermittelt, welche Rechte sie haben, dass sie sich wehren dürfen, wenn diese Rechte verletzt werden und an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen. Zu diesen Rechten gehört u.a. das Recht, über den eigenen Körper selbst zu bestimmen, das Recht auf gewaltfreie Erziehung, das Recht auf Schutz vor sexuellem Missbrauch und sexuellen Übergriffen. Methodisch sind die Stationen sehr abwechslungsreich gestaltet und ermöglichen es den Kindern, sich mit den Themen spielerisch und mit Spaß auseinander zu setzen. Die 5 Stationen werden von pädagogischen Fachkräften der pro familia bzw. von KollegInnen kooperierender Beratungsstellen angeleitet.

Station Gefühle

Station Gefühle

In der Station Gefühle geht es darum, die Wahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit der Mädchen und Jungen in Bezug auf ihre Gefühle zu erweitern.

Denn die eigenen Gefühle ernst nehmen zu können ist die Voraussetzung für die Empathiefähigkeit mit sich selbst und anderen, die Voraussetzung dafür, angenehme von unangenehmen Berührungen unterscheiden zu können und damit Grenzen setzen zu können.

Station NEIN-Sagen

rechts Zeichnung aus dem Buch „Das große und das kleine Nein“ von Gisela Braun & Dorothee Wolters, Mühlheim/Ruhr 1991

Die verwendete Bildergeschichte ermutigt Kinder, sich gegen Grenzverletzungen durch Erwachsene bzw. andere Kinder oder Jugendliche zur Wehr zu setzen. Anhand der dargestellten Situationen können eigene Erfahrungen der Mädchen und Jungen thematisiert werden.


Kinder sollten wissen, dass sie ihre Bedürfnisse und Grenzen selbstbewusst vertreten dürfen. Sie dürfen entscheiden, wer ihnen körperlich nahe kommen darf, von wem sie in den Arm genommen oder geküsst werden wollen. Berührungen und Zärtlichkeiten sind nur dann schön und in Ordnung, wenn beide Seiten sie wünschen und damit einverstanden sind.

Station Körperwissen

Station Körperwissen

Mädchen und Jungen, für die alles, was mit Sexualität zu tun hat, mit großer Peinlichkeit und Scham behaftet ist und denen keine Begriffe für Genitalien bekannt sind, können sich niemandem anvertrauen, wenn sie von sexuellen Grenzverletzungen betroffen sind.


Deshalb geht es in dieser Station darum, die Sprachlosigkeit in Bezug auf Sexualität zu überwinden, mit den Kindern eine Sprache zu finden, die der positiven Bedeutung von Sexualität gerecht wird und von anderen Kindern, aber auch von Erwachsenen verstanden, aber nicht als verletzend oder abwertend erlebt wird. Außerdem geht es um den Aspekt der sexuellen Selbstbestimmung: Mädchen und Jungen sollten wissen, dass sie über ihren Körper selbst bestimmen dürfen. Das gilt insbesondere für den Genitalbereich.

Station Gute und schlechte Geheimnisse

Station Gute und schlechte Geheimnisse

In dieser Station geht es um den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen. Niemand darf von einem Kind verlangen, dass es ein schlechtes Geheimnis, das Kummer und Sorgen bereitet, für sich behält. Sexueller Missbrauch ist für Kinder ein besonders schwieriges schlechtes Geheimnis.

Um vor sexuellem Missbrauch geschützt zu sein, brauchen Kinder Informationen darüber, was sexueller Missbrauch ist und wie missbrauchende Erwachsenen vorgehen. Und vor allem müssen sie wissen, dass Kinder an sexuellem Missbrauch niemals schuld sind, sondern allein die Erwachsenen die Verantwortung dafür tragen. Nur mit diesem Wissen sind sie in der Lage, solche Gefahren zu erkennen, sich gegebenenfalls dagegen zu wehren bzw. Hilfe zu holen. An Hand einer Geschichte - in der bei einer Mädchengruppe ein Mädchen die Hauptperson ist, bei einer Jungengruppe ein Junge - werden diese Themen mit den Kindern erarbeitet.

Station Glücksrad

Station Glücksrad

Die Station Glücksrad ist eine Querschnittsstation, in der die Themen der anderen Stationen wieder aufgegriffen werden. Dabei geht es um den anwendungsorientierten Transfer der Präventionsthemen auf Situationen aus dem Kinderalltag. In dieser Station ist außerdem die Thematik sexueller Übergriffe durch Fremdtäter angesiedelt.

Zwar wird sexueller Missbrauch nur zu ca. 20 % durch Fremdtäter verübt, dennoch spielt diese Thematik bezüglich der Ängste von Kindern und ihren Eltern eine große Rolle.

Deshalb ist es notwendig, den Kindern auch zu dieser Problematik Antworten und Hilfestellungen zu vermitteln. Das Glücksrad bietet den Vorteil, diese Themen in einer Art und Weise aufgreifen zu können, die abwechslungsreich ist und den Kindern sehr viel Spaß macht.

Abschlussveranstaltung

Abschlussveranstaltung

Auf der Abschlussveranstaltung wird jede Mädchen- bzw. Jungengruppe für ihre engagierte Teilnahme durch Applaus gewürdigt und alle Kinder erhalten als Erinnerungsgeschenk an den Projekttag die Kinderbroschüre „Ziggy weiß Bescheid“.

Anschließend wird das Projekt gemeinsam mit den Lehrkräften ausgewertet und gegebenenfalls weiterführende Hilfemaßnahmen für einzelne Kinder besprochen.

Bei Interesse und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an eine pro familia Beratungsstelle in Ihrer Nähe oder an die Projektkoordinatorin:

Dipl. Päd. Irene Böhm
eMail: irene.boehm(at)profamilia.de
Telefon: 0170 51 02 907



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